Mittwoch, 25. Februar 2015

Kennfeldoptimierung/Chiptuning selber machen - "How To"

Wenn man von "Chiptuning" spricht, weiß oft nicht jeder was gemeint ist. Es bestehen viele Mythen, die oftmals nicht stimmen. Dazu gehören:

  • "Beim Chiptuning wird ein neuer Chip eingebaut"
  • "Chiptuning zerstört den Motor"
  • "Durch Chiptuning steigt der Verbrauch"
  • ...
Leider wissen Viele überhaupt nicht, wie Chiptuning funktioniert und welche Auswirkungen es hat.

Beim "Chiptuning" wird ein Software-Teil des Motorsteuergeräts, die sogenannten Kennfelder, ausgelesen. Anschließend werden die Kennfelder bearbeitet. Danach werden sie wieder ins Motorsteuergerät geschrieben. Im Normalfall ist gar keine mechanische Änderung notwendig.

Um die Kennfelder auszulesen existieren verschiedene Software/Hardware-Tools. Zum Teil können die Kennfelder mit einem USB-OBD-Kabel über die OBD-Schnittstelle des Fahrzeugs ausgelesen werden:

Wenn das nicht möglich ist, muss das Steuergerät ausgebaut werden. Anschließend gibt es zum Teil die Möglichkeit das Chiptuning-Tool direkt am Steuergerät anzuschließen. Wenn das nicht möglich ist, muss das Steuergerät geöffnet werden. Hier existieren Unterschiede. Zum Teil können die Datenkabel per BDM-Rahmen angeschlossen werden:


Alternativ können/müssen die Datenkabel angelötet werden.

Wenn das Auslesen nicht per OBD möglich ist, sollte die Verwendung des BDM-Rahmens (oder das Löten) nur von Geübten durchgeführt werden. Das Auslesen und Schreiben per OBD ist sehr simpel:


Hierfür kann für einen Großteil der Fahrzeuge (bis ca. Baujahr 2009) dieser Flasher verwendet werden.

Das Schreiben der geänderten Kennfelder ist ebenso simpel wie das Auslesen.
Wichtig beim Auslesen und Schreiben ist, dass die Spannung nicht abbricht:
Das Kabel darf also nicht (aus Versehen) abgezogen werden, der Laptop-Akku sollte aufgeladen sein und die Spannungs-Versorgung des Fahrzeugs sollte sichergestellt sein (Ladegerät anschließen).

Der eigentliche komplizierte Teil ist die Bearbeitung der Kennfelder.
Glücklicherweise existieren professionelle Anbieter, die für einen die Kennfelder bearbeiten:

Wenn die Kennfelder selbst bearbeitet werden sollen, existieren verschiedene Tools. 
Dazu gehören WinOLS, ECM Titanium und Swiftec.
Während ECM Titanium und Swiftec dabei helfen die wichtigsten Kennfelder zu identifizieren, erkennt WinOLS nur die Kennfelder, stellt aber nicht fest, um welches Kennfeld es sich handelt oder wie die Achsen beschriftet sein sollten.
Um eine Leistungssteigerung durchzuführen wird folgendermaßen vorgegangen:
  1. Kennfelder finden (Wo sind die wichtigen Kennfelder)
  2. Kennfelder identifizieren (Um welche Kennfelder handelt es sich bei den gefundenen)
  3. Achsen korrekt beschriften
  4. Werte der Kennfelder bearbeiten (Leistung steigern, Motor-Belastung minimal halten)
Alle diese 4 Schritte erfordern viel Erfahrung und Wissen über die Funktionsweise eines Motors. Auf Grund der verschiedenen Motorsteuergeräte-Varianten unterscheiden sich die Kennfelder und Orte der Kennfelder. Durch die unterschiedlichen Motoren-Techniken sind je nach Motorvariante unterschiedliche Kennfelder zu bearbeiten.


Nachfolgend ist ein Kennfeld (Turbodruck) zu sehen. Dieses lässt sich in den verschiedenen Ansichten (Tabellarisch, 2D, 3D) anzeigen und bearbeiten:






Die Bearbeitung der Kennfelder ist nicht nur extrem kompliziert sondern die notwendige Software ist sehr teuer. Die Grund-Software liegt im 4-stelligen Bereich. Zusätzlich müssen alle Datensätze mit einer "Checksumme" versehen werden. Diese können durch die Bearbeitungs-Software berechnet werden. Für jede Motorsteuergerätevariante muss dafür allerdings ein eigenes Checksummen-Modul erworben werden. Für die Bearbeitungssoftware mit allen Kennfeldern fällt ein mittlerer 5-stelliger Euro-Betrag an. Ein Flash-Tool, mit dem alle Motorsteuergeräte-Varianten über die verschiedenen Auslese-Methoden ausgelesen werden können, liegt preislich im 4-5-stelligen Euro-Bereich.

Es empfiehlt sich also, die Kennfelder auszulesen, diese vom Profi bearbeiten zu lassen und die Kennfelder selber wieder ins Motorsteuergerät zu schreiben.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen